6 Schritte der ethischen Urteilsbildung
Wie kommen ethische Entscheidungen zustande? Welche Rolle spielt dabei der persönliche Glaube?Welche Hilfestellungen kann die christliche Theologie bei der Suche nach verantwortbaren ethischen Entscheidungen geben? Der Theologe Heinz Eduard Tödt hat einmal sechs Gesichtspunkte genannt, die bei ethischen Entscheidungen bedacht werden sollten, wenn Handeln verantwortlich sein soll:
Schritt 1: Problemfeststellung
Bevor man sich auf die Suche nach Lösungen macht, sollte man zuerst mit »kühlem Kopf« die Frage stellen: Worum geht es eigentlich in diesem »Fall«: Was ist das Problem? Wer ist daran beteiligt, welche Bedürfnisse spielen mit herein?Schritt 2: Situationsanalyse
Wenn das Problem erfasst ist, stellt sich die Frage, in welchen größeren Zusammenhang die besondere Situation gehört: Welche persönlichen (z.B. psychischen), gruppenartigen, gesellschaftlichen oder politischen Faktoren prägen die Situation?Schritt 3: Verschiedene Handlungsmöglichkeiten (Verhaltensalternativen)
Jetzt stellt sich die Frage: ‘Was ist zu tun? Welche Welche verschiedenen Möglichkeiten einer Lösung gibt es? Welche Folgen ergeben sich jeweils daraus? Welche der Möglichkeiten kann ich vor meinem Gewissen verantworten?Schritt 4: Prüfung der Normen
Bei vielen Entscheidungen unseres alltäglichen Lebens greifen wir auf Normen (Regeln) zurück, die in unserer Umgebung als gut und richtig gelten, die sich im Zusammenleben bewährt haben und ohne die ein Zusammenleben nicht denkbar wäre. Aber es gibt auch gesellschaftliche Norman, die nicht in jedem Fall richtig und Für mich bindend sein müssen. So hat Jesus vom Liebesgebot aus deutlich Normenkritik geübt mit dem Satz: »Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.« (Mk 2,27) Wichtige Normen sind enthalten in folgenden Texten:- Schöpfungsgeschichte
- Zehn Gebote
- Doppelgebot der Liebe
- Staatliche Gesetze
- Menschenrechte
Schritt 5: Die Entscheidung
In der Entscheidung werden alle bisherigen Schritte zusammengefasst: das Problem ist erfasst und analysiert; ich stehe vor der Wahl, so oder so zu entscheiden, wobei ich mich für oder gegen bestimmte Normen stellen kann, in Übereinstimmung mit meinem Gewissen oder dagegen.Schritt 6: Der Rückblick — Die Überprüfung
Selbst bei bestem Willen können wir ein Problem nicht immer richtig erfassen, nicht alle Faktoren berücksichtigen; nicht immer lassen wir uns leiten von Normen, die wir eigentlichbejahen…
Eine rückblickende Überprüfung soll noch einmal die fünf Schritte im Blick auf die Entscheidung und ihre Folgen bedenken.
Auch nach der Umsetzung in die Tat, wenn bereits Folgen eintreten, hat der Rückblick zu erfolgen, dies wird eventuell zu Korrekturen führen. Hier werden auch Fragen wichtig wie
- nach Schuld und Vergebung
- nach Hoffnung und Sinn
